Biosphärenreservat

Darum geht es

Wir leben in einer dicht besiedelten Region im Herzen Deutschlands, die nicht zuletzt von ihrer zentralen Lage und ihrer guten Verkehrsanbindung vom Rhein-Main-Gebiet bis Würzburg profitiert. Wichtig ist aber gleichzeitig auch der Erhalt unserer Lebensgrundlage, die für viele Menschen der Spessart ist. Deshalb muss es gelingen Infrastruktur, Wirtschaft, Tourismus, Klima- und Umweltschutz unter „einen Hut“ zu bringen und für unsere Region gemeinsam weiterzuentwickeln.  Schon seit einiger Zeit gibt es Überlegungen und Diskussionen über ein UNESCO Biosphärenreservat im Spessart. Am 28. August wurde im Kreistags-Ausschuss Umwelt und Klimaschutz, ein Prüfauftrag an das Landratsamt beschlossen. Ziel ist es zu klären ob sich der Spessart als Biosphärenreservat eignet, welche Bedingungen dafür erforderlich sind und welche Vor- und Nachteile für den Landkreis bestehen. Dabei sollen Holzrechtler, Land- und Forstwirtschaft, die Gemeinden, Vereine und Verbände sowie die Hotellerie, Gastronomie und nicht zuletzt auch einzelne Bürger, in den Entscheidungsprozess mit eingebunden werden.  Ein UNESCO Biosphärenreservat ist dabei in verschiedene Zonen mit verschiedenen Möglichkeiten eingeteilt.

Kernzone:
Die Kernzone macht mindestens 3% der Fläche aus und ist streng geschützt. Der Mensch überlässt die Natur sich selbst und darf in der Regel die Wege nicht verlassen.

Pflegezone:
Zur Pflege- oder auch Pufferzone zählen die Gebiete um die Kernzone. Zusammen bilden sie Flächenmäßig 20% des Biosphärenreservats. Hier wird die Kulturlandschaft extensiv genutzt.

Entwicklungszone:
In dieser Zone soll sich das Umland bzw. die vom Menschen besiedelte Region durch das Biosphärenreservat weiter entwickeln. Herkömmliche Nutzungs- und Wirtschaftsformen sind weiterhin möglich. Ziel ist es jedoch Modellprojekte mit Hilfe von Förderungen zu entwickeln. Der Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsformen soll so durch Anreize gelingen.

Das sind die Herausforderungen

Im Mittelpunkt stehen die Fragen: „Was bedeutet ein  Biosphärenreservat für unsere Region?“ und „Welche Auswirkungen hat ein Biosphärenreservat für die Menschen und ihren Alltag in der Region?“ Es gilt von Anfang an Transparenz zu schaffen und alle Beteiligten mit einzubinden: vom Holzrechtler über die Land- und Forstwirtschaft bis hin zu den Gemeinden, den Bürgerinnen und Bürgern sowie Vereinen und dem Tourismus.

Thematisch muss u.a. die Frage nach einer Kernzone und dort einzuhaltende Schutzmaßnahmen wie z.B. ein Wegegebot beantwortet und diskutiert werden. Die für die Kernzone benötigte Fläche würde für den bayerischen Teil des Spessarts c.a. 5.000ha betragen. Dabei muss die Fläche nicht zusammenhängen. Daneben sollte auch geklärt werden, wie stark sich eine Pflegezone auf die Bewirtschaftung des Waldes auswirkt und was das für die Menschen bedeutet.

Denn neben den Holzrechten für den Eigenbedarf, sind viele Spessartgemeinden stark in der Holzwirtschaft verankert. Der Dialog mit den Einwohnerinnen und Einwohnern und den Gemeinden ist hier zentral, um auch Knackpunkte wie die Thematik „Holzernte“ für alle Beteiligten zufriedenstellend zu lösen.

Außerdem brauchen wir eine offene und transparente Diskussion über Konsequenzen und Auswirkungen eines Biosphärenreservates. Nur so kann Missverständnissen und falschen Eindrücken frühzeitig vorgebeugt werden.

Das ist meine Meinung

Im Landkreis Aschaffenburg haben wir uns das grundsätzliche Ziel gesetzt, klimaneutral zu werden. Ein Biosphärenreservat kann dazu einen großen Beitrag leisten. Der Spessart ist für unsere Region nicht nur  wirtschaftlich und ökologisch von großer Bedeutung, sondern prägt unsere Identität seit Jahrhunderten. Ereignisse wie das Hochwasser im Kahlgrund, die massiven Schäden des Sturms in Alzenau sowie die Dürreschäden im Spessart zeigen, dass wir unsere Natur und damit auch unseren Spessart besser schützen müssen. Ob ein Biosphärenreservat dazu einen Beitrag leisten kann, wird nun durch das Landratsamt geprüft.

Ich begrüße das ausdrücklich. Zentral ist dabei nachvollziehbar und transparent im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern und allen Beteiligten zu arbeiten, Ihre Argumente und Meinung zu hören sowie Vor- und Nachteile abzuwägen. Für mich ist daneben wichtig, dass auch die Landkreise Aschaffenburg, Miltenberg und Main-Spessart gemeinsam an einem Strang ziehen. Das ist bisher der Fall und könnte auch ein positives Zeichen für eine eventuelle zukünftige Kooperation mit unseren hessischen Nachbarn sein. Denn der Spessart endet nicht an der Landesgrenze.