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Darum geht es: Über 10.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Aber trotz grundsätzlich hoher Spendenbereitschaft in der Bevölkerung konnten im vergangenen Jahr nur in knapp 800 Fällen Organe transplantiert werden. Die Organspenderzahlen sind seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2017 fiel die Zahl der gespendeten Organe um über 9 Prozent auf 2594. Das ist der niedrigste Stand der letzten 20 Jahre. Die Gründe dafür sind vielfältig: fehlende Organspendeausweise und damit Dokumentation der Spendenbereitschaft und Probleme bei der Identifizierung möglicher Spender in den Entnahmekrankenhäusern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nun vorgeschlagen, die derzeitige Rechtslage zur Erklärung der Organspendebereitschaft zu ändern. Zurzeit gilt in Deutschland die sog. „Entscheidungslösung“. Danach ist eine Organentnahme nach dem Tod nur zulässig, wenn man zu Lebzeiten seine Spendenbereitschaft z.B. auf einem Organspendeausweis dokumentiert hat. Fehlt eine solche Erklärung, kann auch der nächste Angehörige nach Unterrichtung durch einen Arzt zustimmen. 

Das ist problematisch: Wäre ich bereit, meine Organe zu spenden? Dieser Frage sollte sich jeder Einzelne stellen. Sie ist immer auch eng mit der Frage nach Leben und Sterben verbunden. Auch das Selbstbestimmungsrecht über unseren Körper und die Gesundheit Dritter spielen eine Rolle. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages beschäftigen sich zurzeit intensiv mit dem Thema. Ihnen geht es um die Frage wie man für die Zukunft mehr Menschen dazu bewegen kann, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine Entscheidung zu fällen. Außerdem soll sichergestellt sein, dass diese Entscheidungen dann auch dokumentiert und hinterlegt sind. Im Gespräch sind hierfür aktuell die sog. „Widerspruchslösung“ bei der jeder nach seinem Tod als Organspender gilt, sofern er einer Spende zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Daneben wird die sog. „Erklärungslösung“ oder „verbindliche Entscheidungslösung“ diskutiert. Sie verpflichtet jeden Bürger eine rechtsverbindliche Erklärung zu seiner Organspendebereitschaft abzugeben. 

Das ist meine Meinung: Ich bin mir der hochsensiblen Themen rund um das Thema Organspende sehr bewusst. Der dramatische Rückgang der Organspenden in Deutschland zeigt, dass Handlungsbedarf besteht.

Persönlich habe ich mir dazu noch keine abschließende Meinung gebildet und wir stehen jetzt erst am Anfang der parlamentarischen Debatte, der ich offen und sehr gespannt entgegensehe. Besonders dankbar bin ich, dass sich der Bundestag ausreichend Zeit nimmt und frei von Parteipolitik debattieren will. Die Widerspruchslösung hätte den Vorteil, dass prinzipiell erst einmal jeder als Organspender in Betracht kommt, sofern man nicht explizit widerspricht. Die bestehenden Bedenken gegen diese Lösung kann ich aber gut nachvollziehen.

Eine Alternative wäre eine verbindliche Entscheidungslösung, also die bestehende Regelung weiterzuentwickeln. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass alle Volljährigen, die ihren ersten Reisepass beantragen, bei dieser Gelegenheit einmal dokumentieren müssen, ob sie Organspender sein möchten oder nicht. Die Entscheidung könnte natürlich später verändert werden. Wichtig ist, dass wir einerseits den Entscheidungsdruck erhöhen und andererseits sicherstellen, dass die persönliche Entscheidung im Ernstfall sofort abrufbar ist. Nach der Feststellung des Hirntodes bleiben nur wenige Stunden für eine erfolgreiche Organtransplantation. Im Ernstfall muss sofort klar sein, ob jemand Organspender ist oder nicht. Daher müssen wir die Strukturen verbessern und die digitale Krankenakte flächendeckend einführen. Im Koalitionsvertrag haben wir zudem eine verbindliche Freistellungsregelung für Transplantationsbeauftragte vereinbart. Außerdem wollen wir die Organentnahme höher vergüten. Damit soll die Administration über ausreichend Personal und Ressourcen verfügen.