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Der Bundestag hat am Mittwoch in einer offiziellen Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Anlass ist der 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945. Nach einer Begrüßungsansprache von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hielten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Staates Israel, Reuven Rivlin, die Gedenkreden. Schäuble betonte: „Wir müssen über Auschwitz sprechen – und über die Verantwortung, die wir als Konsequenz und Lehre aus dem Geschehenen tragen, jede Generation neu." Diese Verantwortung sei eng verknüpft mit der Verpflichtung, die Würde des Menschen und seine unveräußerlichen Rechte zu achten, sie zu schützen und zu verteidigen, keinen Raum mehr dafür zu lassen, andere Menschen zu stigmatisieren, auszugrenzen und zu verfolgen. Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin rief dazu auf, hartnäckig gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass zu kämpfen.

Im Anschluss durfte Andrea Lindholz gemeinsam mit Ihrem Bundestagskollegen Thomas Heilmann Ehrengast Ruth Weiss und Ihren Sohn treffen. Für Bundestagsabgeordnete Andrea Lindholz eine bewegende Begegnung. Ruth Weiss ist die Namensgeberin der Ruth-Weiss-Realschule in Aschaffenburg und war als Kind häufig in der Region  Aschaffenburg bei Verwandten zu Besuch. Die Familie des Vaters stammt aus einem Dorf im Spessart. Dort hat sie als Kind mehrmals die Ferien verbracht. Ihr Onkel war der Geschäftsmann Mathias Löwenthal, dem das Kaufhaus Löwenthal in der Herstallstraße bis zur „Arisierung“ gehörte. Anfang der 1930er Jahre kann Frau Weiss gemeinsam mit Ihrer Familie nach Südafrika ausreisen. Ihren Verwandten in der Region Aschaffenburg gelingt dies nicht. Sie kommen in den folgenden Jahren durch die Verbrechen der Nazis ums Leben. „Menschen vergessen schnell. Deswegen sind wir als Zeitzeugen gezwungen zu sprechen“, erklärt sie. Auf zahlreichen Veranstaltungen, vor allem in deutschen Schulen, versuchte sie die jungen Menschen über die Geschehnisse aufzuklären. Im Zuge dessen war Sie auch mehrfach in Aschaffenburg zu Gast. Detaillierte Informationen über Ruth Weiss finden sie hier.

Auch der Innenausschuss des Deutschen Bundestages hat sich am heutigen Mittwoch ausführlich dem Thema Bekämpfung des Antisemitismus gewidmet. Als Vorsitzende konnte Andrea Lindholz den Präsidenten des Zentralrats der Juden Dr. Schuster sowie den Beauftragten der Bundesregierung gegen Antisemitismus Dr. Klein zu einem Austausch begrüßen. Die Gäste betonten dabei  Notwendigkeit für Polizei und Justiz die Sanktionsmöglichkeiten bei antisemitischen Straftaten voll auszuschöpfen. Daneben spiele auch der Umgang mit Rassismus im Alltag (z.B. in der Schule oder auf dem Sportplatz) eine große Rolle. Hass und Hetze im Netz stellen ebenfalls ein Problem dar. Hier sahen beide Gäste noch Verbesserungsmöglichkeiten. Die Fraktionen waren sich einig, dass der Kampf gegen Antisemitismus eine dauerhafte Aufgabe ist. Politik, Justiz und Gesellschaft müssten entschlossen und dauerhaft konsequent dagegen vorgehen.

Fotos: Büro Lindholz/ DBT/Achim Melde