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Darum geht es: In Deutschland sind Ehen mit Minderjährigen grundsätzlich nicht erlaubt. Im Zuge der Flüchtlingsmigration gewinnt das Phänomen der Kinderehen in Deutschland an Bedeutung. Seither wird eine wachsende Zahl an Ehepaaren, in der einer der Partner minderjährig ist (meistens die Frau) registriert. Bundesweit werden inzwischen über 1.500 Kinderehen gezählt. In über 360 Fällen sind die betroffen Mädchen unter 14 Jahre alt. Diesen im Ausland geschlossenen Kinderehen muss der Rechtsstaat eine klare Absage erteilen.

Deswegen hat der Bundestag am 01. Juni 2017 das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen beschlossen. Betroffene, die unter 16 Jahren sind, werden nun unmittelbar von der Bindungswirkung der Ehe freigestellt und Ehen mit Minderjährigen grundsätzlich für nichtig erklärt. Bei Personen, die zum Zeitpunkt der Heirat zwischen 16 und 18 Jahren alt waren, wird die Ehe durch eine richterliche Entscheidung aufgehoben. Die Ehemündigkeit muss sich in jedem Fall nach deutschem Recht richten. Um dies systematisch sicherzustellen wurde die Altersgrenze für die Ehemündigkeit grundsätzlich von 16 auf 18 Jahre angehoben.

Das ist problematisch: Ehen mit minderjährigen Mädchen, die im Ausland mit älteren Männer verheiratet wurden und als „Eheleute“ nach Deutschland kommen, stellen unseren Rechtsstaat vor eine neue und wachsende Herausforderung. Bisher fehlten klare gesetzliche Regelungen zum Umgang mit diesem bisher weitgehend unbekannten Phänomen. Aus der absoluten Verpflichtung des Staates zum Schutz des Kindeswohls bestand dringender gesetzgeberischer Handlungsbedarf.


Das ist meine Meinung: Kinder und Jugendliche gehören in die Schule und nicht in eine Ehe. Nur ein konsequentes Verbot von Kinderehen in Deutschland stellt klar, dass unser Rechtsstaat handlungsfähig ist und unsere Werte, wie das Kindeswohl und die Gleichberechtigung, nicht zur Disposition stehen. Jede Duldung von Kinderehen führt zu sozialer Abschottung, versperrt den Zugang zu Bildung und öffnet sexuellem Missbrauch Tür und Tor. Mädchen, die in einer nichtigen Kinderehe gelebt haben, sind rechtlich wie unbegleitete Minderjährige zu behandeln.