Präsidium des Deutschen Bundestages tagt in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

08. Juli 2026

Berlin. Das Präsidium des Deutschen Bundestages hat seine Sitzung in dieser Woche an einem besonderen Ort abgehalten: Statt im Reichstagsgebäude tagten die Mitglieder des Präsidiums in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, dem ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR.

Mit der Wahl dieses Tagungsortes setzte das Präsidium ein Zeichen für die Bedeutung der Erinnerung an die Opfer der SED-Diktatur und für die Verantwortung, die Geschichte des Unrechts wachzuhalten. Das ehemalige Stasi-Gefängnis war bis Januar 1990 ein Ort politischer Verfolgung. Rund 11.000 Menschen wurden dort unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert, verhört und psychisch unter Druck gesetzt. Heute ist die Gedenkstätte ein Ort des Erinnerns, der historischen Aufarbeitung und der politischen Bildung.

Im Rahmen des Besuchs gedachte das Präsidium gemeinsam mit der SED-Opferbeauftragten beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, der Opfer der kommunistischen Diktatur und legte einen Kranz nieder. Im Anschluss übergab Evelyn Zupke ihren Jahresbericht an die Präsidentin des Deutschen Bundestages.

Ein besonders eindrucksvoller und bewegender Programmpunkt war die Führung durch die ehemalige Haftanstalt mit dem Zeitzeugen Mario Röllig. Er berichtete von seiner Verfolgung durch das SED-Regime und schilderte seine persönliche Geschichte. Wegen eines versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts wurde er verhaftet und in Hohenschönhausen inhaftiert. Seine Schilderungen machten deutlich, welches Leid viele Menschen in der DDR aufgrund politischer Verfolgung ertragen mussten.

Der Besuch fand in einem besonderen Gedenkjahr statt. 2026 jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 65. Mal. Der Jahrestag erinnert daran, dass das Unrecht der SED-Diktatur nicht mit dem Ende der DDR abgeschlossen ist. Viele Betroffene leiden bis heute unter den Folgen von Verfolgung, Haft und Repression.

Vor diesem Hintergrund kommt der Arbeit der SED-Opferbeauftragten eine besondere Bedeutung zu. Sie setzt sich für die Anerkennung und Unterstützung der Betroffenen ein, verleiht ihren Anliegen Gehör und trägt dazu bei, dass das Schicksal der Opfer der SED-Diktatur nicht in Vergessenheit gerät. Die Erinnerung an das erlittene Unrecht bleibt eine wichtige Grundlage für die Stärkung von Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Fotos: DBT Tobias Koch