Ehrenamtspreis würdigt Engagement für jüdisches Leben in Deutschland

10. September 2026

Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz hat bei der Verleihung des Ehrenamtspreises für jüdisches Leben in Deutschland in Berlin die Festrede gehalten. Der Preis würdigt herausragendes ehrenamtliches Engagement für die Sichtbarkeit und Stärkung jüdischen Lebens in Deutschland.
 
„Wie wunderbar ist es, dass niemand auch nur einen Moment warten muss, bevor er beginnt, die Welt zu verbessern.“
Anne Frank
 
Ehrenamtliches Engagement für jüdisches Leben
 
Der Ehrenamtspreis wurde 2022 vom Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus ins Leben gerufen und in diesem Jahr bereits zum vierten Mal vergeben. Aus fast 70 Bewerbungen wählte die unabhängige Fachjury zwei Preisträger aus. Der Preis wird in den Kategorien „unter 27 Jahre“ und „ohne Altersbegrenzung“ vergeben. Beide Auszeichnungen sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.
 
Mit dem Preis soll insbesondere das Engagement von kleineren Initiativen gewürdigt werden, die häufig abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit wirken. Sie machen jüdische Stimmen und Perspektiven sichtbar, schaffen Begegnungen und leisten einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen, zu Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
 
Junge Preisträgerinnen setzen Zeichen
 
In der Kategorie unter 27 Jahre ging die Auszeichnung an die drei 18-jährigen Anne-Frank-Botschafterinnen Frieda Clara Fleischer, Lara Antonia Robles Y Zepf und Romy Ella Zuntz für ihr Projekt „Jüdisches Leben erleben statt urteilen – Ein verbindender Stadtspaziergang mit Eis“.
 
Mit ihren Stadtspaziergängen in Berlin informieren die drei Preisträgerinnen über jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart und bringen Menschen mit jüdischer Geschichte und jüdischer Gegenwart in Kontakt. Der persönliche Austausch steht dabei im Mittelpunkt. Auf sympathische und zugängliche Weise schaffen sie Raum für Begegnung und tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen.
 
„Shalom-Musik KOELN“ ausgezeichnet
 
In der Kategorie ohne Altersbegrenzung wurde das Projekt „Shalom-Musik KOELN“ des Kölner Forums für Kultur im Dialog e. V. ausgezeichnet.
 
Das Projekt bringt jüdische Stimmen, Künstlerinnen und Künstler sowie Traditionen durch Musik und persönliche Begegnungen mit einem breiten Publikum zusammen. Veranstaltungen finden an unterschiedlichsten Orten statt – in Synagogen, im Kölner Dom, in Museen, Clubs und im öffentlichen Raum.
Musik wird dabei zum Türöffner für Begegnung und Austausch. So trägt „Shalom-Musik KOELN“ dazu bei, Vorurteile abzubauen und jüdisches Leben als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft erfahrbar zu machen.
 
Ein wichtiges Zeichen der Zivilgesellschaft
 
Beide Projekte zeigen auf unterschiedliche Weise, wie ehrenamtliches Engagement jüdisches Leben sichtbar machen und Begegnungen ermöglichen kann. Für Andrea Lindholz ist dieser Einsatz gerade angesichts des zunehmenden Antisemitismus von besonderer Bedeutung. Denn Antisemitismus lebe auch davon, dass Menschen jüdisches Leben nur aus der Distanz oder überhaupt nicht kennen. Genau deshalb seien Begegnungen, Aufklärung, Informationen und Wissensvermittlung so entscheidend. Persönliche Begegnungen ermöglichten es, von Angesicht zu Angesicht Fragen zu stellen, eigene Vorstellungen zu hinterfragen, Beziehungen aufzubauen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Im besten Fall entstünden daraus Botschafterinnen und Botschafter für jüdisches Leben.
 
Die Bundestagsvizepräsidentin würdigte die Arbeit der Preisträgerinnen und Preisträger und dankte zugleich allen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Die große Zahl der Bewerbungen zeigt, wie vielfältig dieses Engagement ist. Ehrenamtliche übernehmen Verantwortung für ihre Mitmenschen und für unsere Gesellschaft und stärken damit das Fundament unserer Demokratie.
 
Der Ehrenamtspreis würdigt deshalb nicht nur zwei herausragende Projekte, sondern macht zugleich deutlich: Jüdisches Leben gehört selbstverständlich zu Deutschland – heute und in Zukunft.

Fotos: Ruthe Zuntz